Sakai Hōitsu, Beauty on a Veranda in Snow (Yukichū Ensaki Bijin-zu), ca. 1800, Edo-period painting

Schönheit auf einer Veranda im Schnee

Leise fällt der Schnee auf die Veranda. Eine schlanke Kurtisane steht allein da, ihre mehrlagigen Roben eng um sich gezogen, ihre verborgenen Hände heben den Kragen, um die untere Hälfte ihres Gesichts zu verhüllen. Eine Geste, so alt wie das späte 17. Jahrhundert – und in Sakai Hōitsus Händen fragiler und flüchtiger denn je zuvor.

Der zwölfte Monat 👘

Dieses Gemälde ist die fehlende Schriftrolle. Hōitsu schuf eine Reihe von zwölf Hängerollen, die jeweils einen Monat des Jahres darstellten – und diese, die des zwölften Monats, war jahrhundertelang von den anderen getrennt. Im Jahr 2020 im Met wiedervereint, ist sie die einzige Schriftrolle in der Reihe, die im Ukiyo-e-Stil gemalt wurde und den Einfluss von Utagawa Toyoharu widerspiegelt, bei dem Hōitsu ausgebildet wurde.

Ihre Yoko-Hyōgo-Frisur – zwei flügelartige Hügel, verziert mit einem Kamm und zahlreichen Nadeln – kennzeichnet sie als hochrangige Kurtisane der späten Edo-Zeit. Ihre Figur ist schlanker, nachdenklicher als die der Kurtisanen ihres Lehrers. Bereits hier wurde Hōitsu zu sich selbst.

Über das Werk 🌄

  • Titel: Schönheit auf einer Veranda im Schnee (Setchū Ensaki Bijin-zu)
  • Künstler: Sakai Hōitsu 酒井抱一 (Japanisch, 1761–1828)
  • Periode: Edo-Zeit (1615–1868)
  • Datum: ca. 1794–95
  • Kultur: Japan
  • Medium: Hängerolle; Tusche und Farbe auf Seide

Eine Kreuzung in Tusche ⛩️

Das Siegel mit der Aufschrift „Teihakushi“ – „Spielerisch gemalt von Toryō“ – datiert dieses Werk in die Mitte der 1790er Jahre, kurz bevor Hōitsu 1797 buddhistische Gelübde ablegte. Es steht an einem Scheideweg: der letzte Hauch seiner Ukiyo-e-Ausbildung, gemalt im Schatten seiner bevorstehenden Transformation.

Innerhalb weniger Jahre sollte Hōitsu Ukiyo-e vollständig aufgeben und sich Rinpa widmen – der Schule von Hon’ami Kōetsu und Ogata Kōrin –, um einer ihrer größten Meister zu werden. Diese Schönheit im Schnee ist ein Abschied: vom Vergnügungsviertel, von der vergänglichen Welt, von einer Version seiner selbst, die er hinter sich ließ.

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