Utagawa Kuninao, Beauty of the Genroku Era, ca. 1820s, Ukiyo-e surimono print

Die Schönheit der Genroku-Ära

Vor einem weichen, neutralen Hintergrund verweilt eine Frau – ihre Gewänder in der extravaganten Mode der Genroku-Zeit geschichtet, ihre Präsenz gleichzeitig intim und monumental. Sie ist eine Surimono-Schönheit: privat gedruckt, still und heimlich unter Dichtern verbreitet, die verstanden, dass Kunst und Vers untrennbar waren.

Ein Porträt einer Epoche 👘

Utagawa Kuninao malte sie ein Jahrhundert nach ihrer Zeit. Dieses Surimono, das in den 1810er Jahren entstand, zeigt eine Kurtisane im Genroku-Stil des späten 17. Jahrhunderts – einer Epoche, die für ihre Üppigkeit, ihren Luxus und ihre Liebe zur Schönheit berühmt war. Die Gewänder sind prächtig, das Haar aufwendig, die Haltung unverkennbar die einer hochrangigen Frau des Vergnügungsviertels.

Über ihrem Bild preist ein Lied von Ōishi Yoshio (Kuranosuke) – dem berühmten Samurai der 47 Rōnin – die Schönheit der Kurtisanen der Vergnügungsviertel. Geschichte und Ästhetik, in Tinte und Papier miteinander verwoben.

Jedes Detail ist ein Dokument. Jede Stofffalte, eine Aufzeichnung der Zeit.

Über das Werk 🌄

  • Titel: Frühlingsregen-Sammlung (Harusame shū), Bd. 1: Kurtisane im Genroku-Stil
  • Künstler: Utagawa Kuninao (japanisch, 1793–1854)
  • Periode: Edo-Zeit (1615–1868)
  • Datum: Wahrscheinlich 1810er Jahre
  • Kultur: Japan
  • Medium: Privat veröffentlichter Farbholzschnitt (Surimono), in einem Album montiert; Tinte und Farbe auf Papier
  • Abmessungen: 21,4 × 8,7 cm

Die Surimono-Tradition ⛩️

Surimono – „privat gedruckte Dinge“ – unterschieden sich grundlegend von den kommerziellen Farbholzschnitten, die auf den belebten Märkten Edos verkauft wurden. Von Dichtern und Dichtervereinen in Auftrag gegeben, wurden sie als Neujahrsgrüße ausgetauscht, als Zeichen von Raffinesse und literarischer Gemeinschaft. Die darauf eingravierten Gedichte – meist Kyōka, witzige Verse von einunddreißig Silben – waren ebenso wesentlich wie das Bild selbst.

Kuninaos Genroku-Schönheit gehört zu dieser Tradition: ein Kunstwerk, das auch ein Gedicht, ein Gruß und eine Meditation über den Lauf der Zeit ist. Die Genroku-Ära lag bereits ein Jahrhundert zurück, als er sie malte – doch im Surimono lebt sie wieder, so lebendig und vergänglich wie Frühlingsregen.

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